Wenn im niederösterreichischen Pielachtal – auch Dirndltal genannt – von “Dirndln” die Rede ist, dann ist damit nicht das bayerisch-österreichische Dirndlgewand gemeint, auch nicht die Mädchen und Frauen, die solche Trachten tragen, sondern ein besonderes Wildobst: die Früchte des Gelben Hartriegels. Das Dirndltal im Mostviertel verdankt seinen Namen den robusten Sträuchern, die besonders gut an sonnigen Südhängen gedeihen. Als erste Frühlingsboten blühen sie bereits im März in leuchtendem Gelb. Erntezeit für die Früchte ist der Herbst. Aus den Dirndln entstehen Edelbrände, Marmeladen, Säfte und, pikant eingelegt, die so genannten “Dirndl-Oliven”.
Zu keiner anderen Zeit im Jahr prägen die „Dirndln“ das Bild der Pielachtaler Kulturlandschaft so nachhaltig wie im zeitigen Frühjahr. Noch bevor Bäume und Sträucher es wagen ihre grünen Blätter zu entfalten, leuchtet es gelb von den teilweise noch Schnee bedeckten Hängen. Wenn unter dem noch fehlenden Blätterdach am sonnigen Waldboden Schneeglöckchen und Leberblümchen blühen, dann erblühen auch sie: die Dirndln.
Immer am letzten Wochenende im März laden die Pielachtaler Naturführer zu ihren Dirndl-Blüten-Wanderungen ein. Es ist ein Ausflug in die Kulturlandschaft zu einer Jahreszeit, die sehr viel zu bieten hat, der aber leider viel zuwenig Beachtung geschenkt wird. Keine Obstbaumblüte, keine Badetemperaturen, keine lauen Abende – dafür Frische, Kraft und Lebenslust – das ist die Zeit, wenn die Dirndln erblühen.
Und wie sie blühen! Verschwenderisch hoch ist die Anzahl der Blüten pro Strauch. Nur wenige werden tatsächlich zu Früchten reifen und das liegt nicht nur an der Tatsache, dass bei diesen Temperaturen noch kaum Bienen zur Bestäubung unterwegs sind.
